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Um es gleich vorweg zu sagen: Ja ich bin kein Westberliner. In mir regen sich keine nostalgischen Gefühle, wenn vom Flughafen Tempelhof die Rede ist. Na klar da war doch was – die Luftbrücke – das war zugegebenermaßen existentiell.
Aber Tempelhof ist und bleibt doch vor allem auch eines – einer der drei größten zusammenhängenden Gebäudekomplexe der Welt. Und auch wenn der Flughafenbetrieb dicht gemacht wird, so ist es doch allseits beschlossene Sache, das Gebäude weiter zu erhalten und zu nutzen. Nun will die angebliche Mehrheit der Berliner auch noch das Rollfeld dazu erhalten und den Flugbetrieb gleich mit. Am 27. April geht’s zur Volksabstimmung. An den Straßenlaternen Berlins hängen schon wochenlang Plakate – von der CDU an den Westberliner Freiheitsinstinkt und Wohlstandszeiten appelierende kaprealistische Poster mit dem Spruch. „Ich bin ein Berliner“. Und eine biedere, man könnte auch sagen, bio-dere Designkatastrophe. Von den abgebildeten Gesichtern bleibt vor allem eine mit Weitwinkel aufgenommene Mutter mit Kind im Gedächtnis und der von einem Bauarbeiter jantz jut vorgetragene Spruch: „Ick bezahl doch nicht euren Bonzen-Flughafen“ oder so. So weit so gut, -so ist eben die Berliner Landes- bzw. Stadtteilpolitik im Kleinformat. Aber nun, seit 2 Wochen, stehen Riesenposter auf allen wichtigen Ecken rum – und die sehen verdammt gut aus. Sonnige Farben – ein Vertrauen erweckendes Blau, ein frühlingshaftes Grün, ein knuffiges Logo mit einem kleinen knuffigen Flugzeug. Aber auf den zweiten Blick auf die Texte offenbart sich eine der wohl demagogischsten Kampagnen unseres Berlins – Fliegen sei schön, sexy und fortschrittlich. Und schaut man auf die Website des dahinter stehenden Vereins des ICAT e.V. – sieht man als dessen Vertreter lauter seriöse Herren in Anzügen.
Laut Dimap-Umfrage ist nun inzwischen auch die Mehrheit der Berliner dafür, den Flughafen zu retten. Drei Argumente werden nun gebetsmühlenartig vorgetragen: 1. Die Geschichte der Luftbrücke 2. Jede Weltstadt leiste sich einen innerstädtischen Flughafen. 3. Finanziell wäre das auch viel billiger, als die Umwidmung und Sanierung des Geländes.

Aber liebe Leute, ich mag keine Herren in Anzügen, die so viel Kohle haben, dass sie einfach mal eine ganze Stadt mit überdimensionierten Plakaten zupflastern können. So einfach ist das. Wir wissen doch alle: Jeder Flughafen kostet eine Menge an Steuergeldern und finanziert eine Flugindustrie, die sich fast gar nicht am Steuereinkommen beteiligt. Wie war das mit der Kerosinsteuer? Haben Sie mal einen Billigflug ohne Flughafensteuer bekommen? Flughäfen sind Milliardengräber. Nun soll Tempelhof eines werden, das sich um Menschen kümmert, die in kleinen privaten Jets nach Berlin kommen, dann durch überdimensionale Wartehalle schreiten und sich wie der große Diktator fühlen können? Liebe Herren, wenn Ihr den Flughafen haben wollt, dann kauft ihn – aber bitte ohne Subventionen. Was überhaupt unverständlich ist, dass sich CDU und FDP – die immer vom Steuersenken sprechen – so etwas unterstützen können. Es zeigt sich an diesem Beispiel deutlich wie nie, wie verlogen deren Steuersenkungspolemik ist. Klar kosten auch Umwidmung, Bodensanierung etc. Aber die interessantesten Projekte für die Zukunft einer Stadt entstehen doch immer da, wo Areale der Geschichte bürgernah umgenutzt werden. Klar ist, dass die Geschichte das große Potential Berlins ist, aus dem sich vor allem die gesamten Tourismuseinnahmen Berlins speisen – aber dazu braucht man keinen abgesperrten Flughafen auf dem ab und zu ein paar Regierungs- und Privatjets landen. Geschichte muss man erlebbar und begehbar machen.
Berlin und die Bundesregierung haben die große Chance verschlafen, den Palast der Republik als modernen Kunstort zu erhalten. Stattdessen wird ein Stadtschloss aufgebaut, für welches keine schlüssige eigenfinanzierte Nutzung vorliegt und nun vielleicht noch ein defizitärer Flughafen erhalten. Konservativer geht’s nicht. Auf die Weise wird Berlin immer weniger sexy und trotzdem ärmer gemacht.

Nun ist es nicht so, dass sich Wowi an das Ergebnis des Bürgerbegehrens halten will und man kann ihm nur wünschen, dass er dies auch durchhält. Ein Bürgerbegehren, das als Ergebnis die Erhaltung des Flugbetriebes hätte, wäre ein trauriges Zeichen dafür, dass die Menschen nicht reif für die direkte Demokratie sind und jenen Populisten nicht standhalten, die mit gut gestylten Werbekampagnen daherkommen.