Ab 15. Oktober 2019 sind die Bahntickets für den Winter-Fahrplan 2019/2020 buchbar. An diesem Tag wird auch der Winter-Fahrplan 2019/2020 veröffentlicht und die Tickets für Weihnachten, Silvester oder den Winter-Urlaub werden freigeschaltet.

Mit der Inlandsbanan in den Norden

Mit der Inlandsbanan in den Norden

Von Mora in Dalarna, dem kulturellen wie auch geografischen Herzen Schwedens, führt die Inlandsbanan über 1.000 km langsam aber unbeirrt immer weiter in den wilden, fast menschenleeren Norden, um schließlich 100 km nördlich des Polarkreises in Gällivare zu enden. Die Inlandsbahn wurde von 1907 bis 1937 etappenweise gebaut, um die küstenfernen Gebiete in Nordschweden zu erschließen und die dortigen Rohstoffreichtümer – Holz, Erze und Wasserkraft – wirtschaftlich besser zu nutzen. Verwenden Sie diesen Hyperlink, um weitere Informationen zu erhalten. Norrland sollte blühen! Tatsächlich verlor die Bahnstrecke nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch schnell an Bedeutung, da auch im Norden das Straßennetz ausgebaut wurde und der Autoverkehr (Pkw, Lkw und Bus) in der Folgezeit stark zunahm. Die Erze aus den Gruben in Kiruna, Svappavaara, Gällivare und Malmberget werden vor allem über die wesentlich leistungsfähigere Erzbahn ins norwegische Narvik bzw. den schwedischen Hafen in Luleå transportiert. Die traditionelle Holzflößerei auf den Flüssen wurde immer mehr auf den Lkw-Transport verlagert. Und für die Menschen wurden zunehmend der Bus und vor allem das eigene Auto interessanter. Seit den 1990er Jahren erfährt die Inlandsbanan jedoch dank des Engagements und Zukunftsglaubens der dortigen Menschen mit einer Mischung aus Fracht- und Touristenverkehr eine Art Revival.

Ein Güterzug bringt Fracht in den Süden

Ein Güterzug bringt Fracht in den Süden

Die historische Inlandsbanan führt von Mora noch rund 300 km weiter in den Süden bis nach Kristinehamn am Nordufer des Vänernsees, doch findet hier die Personenbeförderung heutzutage mit dem Bus statt. Wer die Strecke mit dem Zug bereisen möchte, startet im Süden in Mora. Mora ist ein Begriff in Schweden. Es liegt mitten in Dalarna am Nordufer des Siljan-Sees, eine Gegend, die als typisch schwedisch gilt und wo im Juni zahlreiche Touristen hinreisen, um das schwedische Midsommar zu feiern. Von hier kommen auch die bekannten Holzpferde, das dalahästen. Die rote Farbe der schwedischen Holzhäuser, Falu rödfärg, stammt aus den Kupfergruben in Falun, ebenfalls in Dalarna gelegen. In Mora endet zudem der traditionsreiche, 90 km lange Volksskilauf Vasaloppet. Und der schwedische Landschaftsmaler Anders Zorn stammt ebenfalls aus Mora.

Startpunkt der Inlandsbanan in Mora

Startpunkt der Inlandsbanan in Mora

Am Siljan-See ist die Landschaft eher lieblich mit kleinen, gepflegten Dörfern: rote Holzhäuser, Sommerblumen am Wegrand, Mittsommerstangen. Am Horizont erheben sich allerdings schon sanft die Berge. Kurz nachdem der Zug der Inlandsbanan den Ort verlassen hat, gelangt man jedoch in eine karge Gegend: Orsa Finnmark. Die Finnmarken heißen so, weil im 17. Jahrhundert die so genannten Waldfinnen (skogsfinnar) in entlegene Gegenden in Mittelschweden zogen, um hier von der Brandrodungslandwirtschaft zu leben. Auch heute sind die finnskogar, die Finnenwälder, noch raue Landschaften, in denen manche finnischen Ortsnamen an die früheren Bewohner erinnern. Der Zug hält auf einer Brücke, damit die Zugreisenden einen Wasserfall mit Flößerrinne fotografieren können.

Wasserfall mit Flößerrinne

Wasserfall mit Flößerrinne

Weiter geht die Fahrt durch Härjedalen, eine Grenzregion mit engen Kontakten nach Norwegen. Die Einwohnerdichte beträgt hier 1 Einwohner/ km². Der Zug hält an, um eine ehemalige Bärenhöhle besichtigen zu können. Hier ist mit 524 m auch der höchste Punkt der Eisenbahnlinie. An manchen Stationen macht der Zug länger Halt. Die Passagiere steigen aus und können in Ruhe etwas essen oder trinken (die Bestellungen werden vom Zugpersonal per Funk an das Gastlokal mitgeteilt, so dass bei der Ankunft alles fertig ist) oder die Gegend besichtigen. Nach 20 oder 30 Minuten steigen alle wieder ein und der Zug setzt die Reise in den Norden fort.

Durch Härjedalen

Durch Härjedalen

Proviantstopp

Proviantstopp

Nach gut sieben Stunden Zugfahrt trifft die Inlandsbanan um 20:50 Uhr in Östersund ein. Der Hauptort in der Provinz Jämtland ist im Sommer wie im Winter ein beliebter Urlaubsort. Direkt vor der Stadt erstreckt sich der riesige Storsjön, der Bootsfahrer lockt. Dahinter erheben sich die nun schon wilderen, hier und da weiß gefleckten Berge in Richtung Åre, einem bedeutenden Skizentrum. Durch Östersund verläuft auch die Bahnlinie nach Trondheim, eine der wenigen Querverbindungen im Norden Skandinaviens.

Abendsonne am Storsjön

Abendsonne am Storsjön

Am nächsten Morgen geht es früh weiter. Um 7:15 Uhr startet der Schienenbus in Östersund. Mit gleichmäßigen 75 km/h bewegt er sich immer weiter in den hohen Norden. Zunächst ist die Strecke etwas eintönig. Viel dichter Wald. Doch dann öffnet sich die Landschaft. Es gibt ausgedehnte, offene Moore, lichte Kiefernwälder auf kargen Böden, lang gestreckte Seen, mächtige Flüsse und immer wieder Berge am Horizont. Ein paar menschliche Spuren gibt es ebenfalls: die manchmal sehr schmucken Bahnhofsgebäude, manchmal jedoch auch nur eine Schutzhütte, an der man eine Anzeigekelle herausdreht, um dem herannahenden Zug mitzuteilen, dass man einsteigen möchte. Irgendwo ist auch ein ehemaliges Gefängnis mitsamt Hotel, in dem die Besucher der Insassen übernachten mussten, da die Anreise so weit war. Heutzutage befindet sich in den Gebäuden ein großes Callcenter.

Kurze Pause am Bahnhof

Kurze Pause am Bahnhof

Und weiter in Richtung Norden

Und weiter in Richtung Norden

Dann überqueren wir die Grenze nach Lappland. Immer tiefer gelangen wir in das Siedlungsgebiet der Samen mit den Zentren Arvidsjaur und Jokkmokk – schon die fremdartigen Ortsnamen deuten an, wer hier von Alters her gelebt hat. Ab und zu muss der Zug anhalten, weil Rentiere auf den Schienen stehen. In der Regel verschwinden sie jedoch schnell im Wald.

Rentiere auf den Schienen

Rentiere auf den Schienen

In diesem nördlichen Teil der Strecke befinden sich auch zwei Museen: das Inlandsbanan-Museum in Sorsele und das Rallarmuseum in Moskosel, in dem an die Bauarbeiter der Eisenbahn (rallare auf schwedisch) erinnert wird. Kurze Zeit später erreicht der Zug den ungebändigten Piteälv, über den eine kombinierten Eisenbahn- und Straßenbrücke führt, das heißt die Schienen verlaufen hier zugleich auf der Autofahrbahn.

Piteälven

Piteälven

Eisenbahn-Straßen-Brücke über den Piteälv

Eisenbahn-Straßen-Brücke über den Piteälv

Gegen Abend hält der Zug kurz am Polarkreis. Dann geht es weiter, vorbei an Porjus, wo schon seit 100 Jahren der Luleälv gestaut wird, um Schwedens drittgrößtes Kraftwerk zu speisen (unter anderem hier begann die Geschichte des Energiekonzerns Vattenfall, zu deutsch „Wasserfall“). Jetzt rast der Zug auf die Endstation zu. Um 21:49 Uhr treffen wir in Gällivare ein.

Gällivare - 1313 km von Stockholm, 359 Meter über dem Meer

Gällivare – 1313 km von Stockholm, 359 Meter über dem Meer

In Gällivare befindet sich eine der großen Eisenerzgruben Nordschwedens (neben Kiruna). Lange Erzzüge durchfahren Tag und Nacht den Ort auf dem Weg zu den Häfen, wo das Erz verschifft wird. Vor den Toren des Ortes liegt der Berg Dundret, von dem man bei gutem Wetter ein Elftel Schwedens überblicken kann, ein Territorium noch größer als das Land Brandenburg. Der Berg wird auch gerne genutzt, um die Mitternachtssonne zu beobachten. Hier endet die Reise mit der Inlandsbanan, bzw. wer will, kann von hier aus natürlich wieder dieselbe Strecke zurückfahren. Ansonsten führt die schnellere Strecke über Boden und dann weiter mit der nördlichen Stammbahn entlang der Küste nach Stockholm.

Gällivare by night (22. Juni)

Gällivare by night (22. Juni)

Die Inlandsbanan akzeptiert die InterRail-Karte. Wer aus Deutschland anreist, kann mit diesem Angebot relativ kostengünstig auch die nicht gerade kurze Anreise von Dänemark/ Südschweden mit abdecken. Obwohl die Inlandsbanan ein überwiegend touristisches Angebot ist, entsprechen die Preise entlang der Strecke (Essen, Unterkunft) dem allgemeinen schwedischen Niveau und sind kein Privileg für Luxusreisende. Krister Volkmann

Mitternacht auf dem Dundret

Mitternacht auf dem Dundret